zur Startseite zur Hauptnavigation zum Hauptinhalt zum Kontaktformular zum Suchformular
Pastoralraum Muri AG und Umgebung
News Pastoralraum
News Vom 07. August 2025

Kommen und Gehen

Im Garten der Kaplanei in Merenschwand stand ein Igel. Breitbeinig, mitten auf dem Weg. Er stand einfach da, wie selbstverständlich. Nicht scheu, nicht aufdringlich. Als wäre er dieser Ort.

Ich blieb stehen. Wir sahen uns an. Keine Eile, kein Zögern, keine Geste, die sich erklären wollte. Dann ging er weiter. Nicht hastig, nicht wichtig. Er ging einfach weiter. Und ich auch. Was für ein zauberhafter, wahrer Moment.

Ich habe dieses Bild behalten. Vielleicht, weil es nicht nach Bedeutung ruft. Vielleicht, weil es still war. Vielleicht, weil es mir nahekommt.

Seit Februar 2023 bin ich im Pastoralraum Muri tätig. Im Sommer 2026 werde ich, wie angekündigt, eine neue Aufgabe im Bistum Basel übernehmen.

Als ich hierherkam, war ich überzeugt, lange zu bleiben. „Gekommen, um zu bleiben“ stand damals am Anfang. Nicht einfach als Spruch – als Haltung. Dass es nun anders kommt, überrascht auch mich.

Manches in dieser Zeit war schön, nah, lebendig. Anderes hat mich gefordert und vor schwierige Fragen gestellt. Nicht jede Begegnung konnte Brücken bauen, und doch war es eine echte, intensive Wegstrecke.

Ich durfte Menschen kennenlernen, die tragen – im Hintergrund, im Stillen, mit unglaublicher Verlässlichkeit und Hingabe. Viele durfte ich begleiten, oft in sehr verletzlichen Situationen. Vielen Dank für dieses grosse Vertrauen. Es hat mich tief berührt. Und ich freue mich auf weitere Begegnungen.

Viel liebevolles Vertrauen durfte ich erfahren, und auch Kritik; bin Menschen begegnet, die mit offenem Herzen schenken und empfangen. Und Menschen, die lieber auf Abstand blieben.

Vieles durfte ich ganz neu lernen.

Mir ist wichtig: Wenn ich weitergehe, dann sicher nicht aus Leichtsinn, sondern mit einem Herz, das den Weg öffnen möchte. Auch weil ich darauf vertraue, dass Gehen manchmal helfen kann, etwas zu lösen, wo Bleiben zu Verhärtung oder Trennung führen würde.

Noch liegt etwas Zeit vor uns. Zeit, miteinander weiterzugehen, solange es uns gemeinsam gegeben ist. Es muss nicht alles geklärt werden. Aber manches kann noch klarer werden. Vielleicht sogar leichter. Ich wünsche uns allen ein Weitergehen mit leichtem Sinn.

Und wenn es dann so weit ist – diese Bewegung ist nicht nur meine.

Mit der Geschichte, die uns prägt, mit den Fragen, die sich zeigen, mit den Beziehungen, die uns formen – selbst mit unserer Beziehung zum Himmel, zu Gott – steht eines fest:

Nichts bleibt für immer gleich. Alles wandelt sich. Immer wieder wird auch in Zukunft neu zu fragen sein, wie es ist und wie es weitergeht.

Wenn ich in diesen Tagen durch den Garten gehe, halte ich manchmal Ausschau. Ob der Igel wiederkommt, weiss ich nicht. Vielleicht schläft er längst unter irgendeinem Strauch. Vielleicht ist er weitergezogen.

Was für mich bleibt, ist nicht nur dieses Bild. Was wirklich bleibt, ist Gottes Stille, die uns alle trägt und von innen her erfüllt.

Seien Sie gesegnet.

Von Herzen

Karl Scholz