Inspiration Bruder Klaus
Jeweils am 25. September feiern wir den Gedenktag des Heiligen Niklaus von Flüe, näher bekannt als Bruder Klaus, unser Nationalheiliger. Nebst seinem politischen und gesellschaftlichen Engagement hat er uns durch seine Schriften, insbesondere seine Visionen, wertvolle geistige Nahrung hinterlassen. Heute möchte ich einladen, die Brunnenvision zu betrachten.
Kurz wiedergegeben: Eines Nachts sah sich Bruder Klaus auf einem Dorfplatz mit vielen Menschen, die hart arbeiteten und dennoch alle arm zu sein schienen, was ihn wunderte. Er sah einen Tabernakel mit offener Tür und trat hinein. Im Tabernakel sah er einen Brunnen in dem Wein, Öl und Honig floss. So suchte er nach der Quelle und bemerkte, dass er vollkommen klar war und unaufhörlich überfloss. Erstaunt, dass nicht mehr Leute zu diesem Brunnen kamen, der stetig übervoll war, ging er nach draussen, um zu schauen, was die Menschen daran hindert, zum Brunnen hinzugehen. Die Menschen waren beschäftigt, ihre Arbeit zu tun und Geld zu verdienen und dennoch waren sie alle arm. Manche haben sogar Zäune errichtet und liessen die Menschen nur gegen Geld passieren. Bruder Klaus stand da, betrachtete die Menschen und plötzlich erkennt er, dass er selbst, sein Innerstes, dieser Tabernakel sei.
Diese Vision können wir betrachten wie ein Gleichnis Jesu. Wir sind eingeladen, uns von dieser Vision ansprechen zu lassen und herauszufinden, was sie für uns und unser Leben bedeuten könnte. Bruder Klaus war erstaunt darüber, dass die Menschen nicht alle bei der Quelle standen und aus ihr schöpften, stattdessen sich mit Arbeit abmühten, die letztlich doch nichts brachte. Vielleicht spricht diese Vision auch in unser heutiges Leben hinein. Lassen wir uns auch von «Arbeiten» aufhalten, die Quelle aufzusuchen? Was hindert uns daran, aus dieser unaufhörlich fliessenden Quelle zu schöpfen? Wenn wir davon ausgehen, dass Gott in uns selbst diese Quelle überfliessen lässt, wie kommt es denn, dass wir nicht täglich daraus schöpfen?
Was auch immer diese Vision in uns bewegt und anspricht, glaube ich, sie ist eine Einladung. Gott lädt uns ein, an seiner ewigen Quelle der Liebe zu tanken. Sie fliesst so stark über, dass für jeden Menschen in jedem Augenblick genug da ist. So wünsche ich uns allen von Herzen ein gesegnetes Auftanken mit unserem Heiligen Bruder Klaus.
Jessica Zemp, Pfarreiseelsorgerin
