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Pastoralraum Muri AG und Umgebung
News Pastoralraum
Horizonte, 08. März 2018

Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt

Himmelhoch jauchzend –
zu Tode betrübt

Ist dies ein aktuelles Stimmungsbild oder eine biblische Begebenheit, oder gar beides?

Zwischen Palmsonntag und Karfreitag liegen genau sechs Tage. Grosse Erwartungen zuerst, auf Erlösung, auf Befreiung aus der römischen Herrschaft, auf bessere Lebensumstände. Doch dann die Enttäuschung: Vorstellungen werden nicht wahr. Die Botschaft Jesu scheint provokativ, gefährlich für die Machthaber. Die Stimmung schlägt um und aus dem Jubel wird eine tödliche Forderung.

Was ist falsch gelaufen? Jesus war doch kein zu Tage geförderter Steuerhinterzieher, kein abtretender Verwaltungsratspräsident, dessen Mandat Fragen aufwarf, kein Konzernchef, der Auslandgeschäfte tätigte, die quer liefen.

Jesus verkündete die Botschaft vom Nahegekommen-sein des Reiches Gottes und handelte auch dementsprechend. Er heilte, verhiess Frieden und Trost, wand sich den Armen, Traurigen und Unterdrückten, denjenigen, die das Leben nicht im Griff hatten, den Gestrandeten und auch den Pharisäern und Zöllnern zu. Was hatte er denn falsch gemacht? Was war anstössig?

Er kritisierte die gesellschaftlichen Umstände und verlangte eine Umkehrung der Verhältnisse, der Erste sollte der Letzte sein, der Kleinste der Grösste und setzte damit andere Massstäbe als die Herrscher seiner Zeit, nämlich die göttliche Liebe, die Nächstenliebe, als oberstes Prinzip. Damit verbunden die Forderung an die Herrschenden selbst zu dienen.

Zuerst der Jubel, dann die Kreuzigung. Sogar Gottes Sohn wird fallengelassen, wenn Erwartungen leer bleiben und Enttäuschungen sich breit machen, Kritik am Bestehenden aufkommt.

Wo positionieren wir uns? Halten wir unsere Enttäuschungen aus? Wer oder was kann unsere tiefsten Wünsche, Sehnsüchte erfüllen? Heisst nicht Mensch sein in der Karwoche, Träume und Erwartungen zurückstellen und die Spannung zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt aushalten oder sogar ausfüllen, gemäss Jesu Vorgabe und Beispiel, in Hinwendung und Zuwendung zu unseren Nächsten?

Aber da ist ja auch noch Gründonnerstag! Jesus hat uns an diesem Abend sein Testament hinterlassen, nämlich die Erinnerung an ihn als bleibende Gegenwart. Er ist da, er ist unter uns, als Geheimnis des Glaubens.

Michèle Adam, Dr. theol.


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