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Pastoralraum Muri AG und Umgebung
News Merenschwand
Horizonte, 06. April 2020

Von Karfreitag zu Ostern

Von Karfreitag zu Ostern

Wir leben zurzeit in einer verrückten Welt, denn nichts ist mehr wie es war. Menschen, Beziehungen, Liebgewonnenes ist entrückt in eine noch nicht bestimmte Zukunft.

Im Evangelium nach Matthäus, das uns im diesjährigen Lesejahr A von Karfreitag bis Ostern begleitet, lesen wir, dass zum Zeitpunkt von Jesu Tod, von Mittag bis drei Uhr nachmittags, eine Finsternis über dem ganzen Land lag und kurz darauf die Erde bebte. Eine Gewalt bricht herein, der wir hilflos zusehen müssen und deren Kraft sich Bahn bricht und von keinem Menschen gezügelt werden kann. Wir können diese Bilder im Moment, in der heutigen Situation, einfacher denn je verinnerlichen. Viele Menschen erleben die aktuelle Zeit als gewaltige Bedrohung und Erschütterung, die sie in Angst, Ungewissheit, Ohnmacht und Trauer versetzt.

Gott, der sich in Jesus bedingungslos auf die Seite der Schwachen, der Geächteten, der Traurigen gestellt und besonders ihnen das Reich Gottes verkündet hat, ist den Mächtigen des Landes ein Dorn im Auge. Er musste beseitigt werden. Zu vieles stellte er in Frage, nicht nur die Machtverhältnisse, sondern auch die Selbstgefälligkeit, die Heuchelei und die Scheinheiligkeit. Wer sich selber für bessere Verhältnisse einsetzt, wer nicht bereit ist, im Strom mit zu schwimmen, wer kritisch denkt und sich ebenso äussert – auch heute – riskiert auf seine Weise unter Umständen auch Kopf und Kragen. Dass sich solche Szenarien immer wieder und ausgerechnet auch in der Kirche abspielen, das bedrückt enorm, macht sprachlos und ohnmächtig.

Das Erdbeben lässt diejenigen, die Jesus am Kreuz im Namen der Mächtigen bewachen sollen, erkennen: Das war Gottes Sohn. Wie Schuppen fällt es ihnen von den Augen, dass die Vorgänge am Karfreitag die Machtverhältnisse auf den Kopf stellen.

Am Ostermorgen, mit dem zweiten Erdbeben von dem der Evangelist Matthäus berichtet, tritt die Wende zum Guten ein. Was uns Menschen unmöglich erscheint, bewirkt Gottes Kraft. Ein Engel Gottes erscheint und schafft den Stein weg, der alle Hoffnungen begraben hatte. Von dem, der tot ist, sagt er, dass er lebt. Gottes Erdbeben kann auch unsere traurigen Erfahrungen erschüttern. Wo wir durch die Ruinen dieser Tage etwas Neues zu sehen wagen. Wir können mit Osteraugen Ausschau halten nach Gottes Fingerzeig in unserer Welt.

Darum wünsche ich uns allen, dass die Osternacht und Ostern unser Herz verwandle. Dass das Kleine und Unscheinbare, das Echte und Tiefe Gestalt annimmt und wir eines im Blick behalten: Wir können uns Gott nicht gross genug denken. Er ist ein Gott des Lebens und der Kraft. Ostern ist kein harmloses Frühlingsfest, nicht nur in dieser verrückten Zeit. Es ist und bleibt ein Erdbeben, das uns aus der Angst des Todes in die Weite des Lebens führt.

Ich wünsche Ihnen allen gesegnete Ostern.

Michèle Adam Schwartz, Dr. theol.


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