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Pastoralraum Muri AG und Umgebung
News Pastoralraum
Horizonte, 17. April 2020

Der Heilige Josef

Der Heilige Josef

Der heilige Josef, wird in der Kunst wohl im Rückgriff auf seinen Zimmermannsberuf dargestellt. Auch wenn seine Handwerkertätigkeit mit der modernen Arbeiterproblematik nichts zu tun hatte, wird er im Zusammenhang mit der sozialen Frage in der industriellen Revolution zum Patron der Arbeiterschaft. So war er doch als ein Heiliger wichtig, der auf der Seite derer steht, die von Missachtung, ungerechten Löhnen, nicht selten von Ausbeutung bedrängt und von Arbeitslosigkeit bedroht werden. Mit seiner Patenschaft vertrat nun auch ein Heiliger ihr Recht auf soziale Achtung und Gerechtigkeit: Genauso wenig, wie Josef gering geachtet werden darf, dürfen die Arbeiter missachtet werden. Hatten nicht die Verwandten und Bekannten Jesai seine Botschaft deshalb ungläubig abgelehnt, weil er «der Sohn des Zimmermanns» war, also eine gewöhnliche Herkunft hatte, nichts Besonderes also war, dem man etwas Besonderes hätte zutrauen können? Wer Josef gering achtet, kann Jesus nicht hochschätzen. Aus dieser Perspektive war es durchaus bedeutsam und hilfreich, dass Papst Pius XII. den 1. Mai zum «Fest des hl. Josef, des Arbeiters» bestimmt hat.

Und doch: Als Patron der Arbeiterschaft befindet sich nun auch der hl. Josef selbst wieder etwas am Rande, denn das Verhältnis zwischen Kirche und Arbeiterschaft war immer ein schwieriges Kapitel. Witze charakterisieren oft sehr zielsicher, was der Fall ist bzw. wo jemand steht. So auch dieser Witz über den hl. Josef.

Im Himmel finden Wahlen statt. Natürlich wählen alle «schwarz». Nur eine rote Stimme gibt es. Man braucht nicht lange zu rätseln, sie kommt vom hl. Josef. Er wird zu Petrus bestellt, und der sagt ihm: «Das geht nicht, dass man im Himmel rot wählt!» Selbstbewusst antwortet der Arbeiterheilige: «Wenn euch das nicht passt, dann nehme ich meine Familie, Maria und Jesus, und hau hier wieder ab!» Man könnte in schmunzelnder Verdeutlichung ergänzen: Eure ganze Heilsgeschichte fällt ohne uns drei wie ein Kartenhaus zusammen.

Der Witz ist darin ganz hintergründig treffsicher: Josef solidarisiert sich politisch mit den Arbeitern und wird dadurch zum Aussenseiter, natürlich weniger im Himmel als in der Kirche.

Vom hl. Josef zu lernen heisst, genau das ernst zu nehmen, was in den Texten des II. Vatikanums formuliert wurde: hinhören auf die Kinder und ihre zukünftigen Lebensmöglichkeiten, auf die Armen und Leidenden, ohne Machtkalküle von ihnen her das eigene Handeln bestimmt sein lassen, die eigene Macht und das eigene Wissen von denen her zu entwerfen, und sich für deren Schutz und Freiheit einzusetzen. Das ist der "josefinische" Unterschied zwischen guter und böser Macht; denn die letztere setzt sich auf Kosten der anderen durch.

So gilt für uns – insbesondere für Kirchenmänner - der hl. Josef nochmals als eine besondere Herausforderung. Um ihm daran zu folgen, heisst dann, die christliche Authentizität nicht nur im Wort der Verkündigung, sondern auch in der Tat der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zu betreiben.

Kaplan Josef Wiedemeier


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